Die Königsmühle Seelenfeld

Sie ist das Wahrzeichen des Ortes und steht auf der höchsten Erhebung von Seelenfeld: Die Königsmühle.

1731 wurde sie vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. als Wall-Holländerwindmühle erbaut. In einer Steintafel über der Eingangstür hat der König seine Inizialien einmeißeln lassen: „Friedericus Wilhelmus Rex“ und 1731 als Baujahr sind zu lesen.


Der leicht konische Mühlenkörper wurde aus Bruchsteinen erbaut. Diese Steine wurden von der „Clus“ aus dem benachbarten Wasserstraße „beschafft“. Beschafft ist hier mit Absicht in Gänsefüßchen gesetzt worden, denn: Um die Steine für den Mühlenbau zu besorgen, hatte man auf Befehl des Königs illegal die Überreste einer Kapelle aus dem 15. Jahrhundert abgetragen. Sie wurden in einer Nacht- und Nebelaktion mit 50 Pferdefuhrwerken nach Seelenfeld transportiert – und anschließend verbaut.

Rückblick: 1721 führte der König den Mühlenzwang ein. Nahezu alle Mühlen im Privatbesitz wurden dicht gemacht. Dafür baute der König seine eigenen Königsmühlen, um mit ihnen Geld einzunehmen. Mit diesem Geld konnte er sich nun mehr Soldaten leisten, die das preußische Heer noch mächtiger und stärker machen sollten.

Die Bauern der einzelnen Orte hatten nicht viel zu lachen. Sie wurden als so genannte Mahlgenossen einer bestimmten Königsmühle zugewiesen und mussten dort ihr Korn malen lassen. Und natürlich dafür bezahlen. Frei wählen durften sie nicht.

Irgendwann hatte der König die Idee, seine Mühlen zu verkaufen, aber trotzdem Steuern für das Mahlen zu verlangen. So konnte er noch mehr Geld verdienen.

So ging 1823 die Mühle in den Besitz der Müllerfamilie Dralle über, die aus dem nahen Wilhelm Busch-Geburtsort Wiedensahl stammt. 1200 Taler war damals der Kaufpreis (etwa 3600 Mark).

1952 wurde der letzte Sack mit Windantrieb in der Königsmühle gemahlen.

1957 wurde die Mühle endgültig geschlossen – und unter Denkmalschutz gestellt.

Die ersten Arbeiten zur Erhaltung der Mühle wurden in den 1960er-Jahren durchgeführt. So konnte das Bauwerk bei der Gründung der Westfälischen Mühlenstraße 1978 in sehr gutem Zustand unter der Nummer 5 in die Mühlenkarte aufgenommen werden.

Nach dem Beitritt in die Westfälische Mühlenstraße wurden weitere Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt: 1986 wurde das Flügelkreuz erneuert, 1996 der Mühlenturm neu ausgefugt.

Das Austauschen der Haubenschindeln und deren Unterbretter fand im Jahr 2005 statt.

Die letzte Maßnahme war 2015 die Erneurung des Flügelkreuzes.

Heute wird die Mühle von einer jungen, über 70 Mann starken Mühlengruppe betreut und an den vier Mühlentagen im Jahr der Öffentlichkeit präsentiert.


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